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Veterinäramt bewilligt unnötige Tierversuche

Reinach/Winterthur, 4. Oktober 2016

Schon lange beschäftigen sich Forscher mit der Frage, ob Antitranspirantien, aufgrund der enthaltenen Aluminiumsalze, beim Menschen Brustkrebs auslösen können. Wie Genfer Forscher diesen September publik machten, «gelang» es ihnen festzustellen, dass bei Mäusen die Entstehung von Krebs gefördert wird, wenn man ihnen Brustzellen, welche in einer aluminiumhaltigen Lösung gezüchtet wurden, spritzt.1 Doch was bedeutet dies für den Menschen? Nichts! Wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) auf Anfrage des «Tagesanzeigers» mitgeteilt hat, erlauben es die Tierversuchsergebnisse nicht «das effektive Risiko im Rahmen des normalen Gebrauchs von Deodorants zu bestimmen».2 Mit anderen Worten: Der Genfer Tierversuch war völlig überflüssig - und trotzdem wurde er vom Veterinäramt bewilligt.


Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, mahnt, dass es in der Natur solcher Experimente mit Tieren liegt, keine Aussage für den Menschen machen zu können und verurteilt die Bewilligung solch offensichtlich sinnloser Versuche aufs Schärfste.

Aluminiumsalze in Antitranspirantien kamen bereits vor einigen Jahren in Verruf: zum einen, weil festgestellt wurde, dass die Konzentration an Aluminium – und weiteren Metallen3 – in Brustkrebsgewebe höher ist, als in gesundem Brustgewebe und zum anderen, weil in epidemiologischen Studien festgestellt wurde, dass die Anzahl von Brustkrebstumoren vor allem in Achselnähe zunimmt.
Um herauszufinden, ob Antitranspirantien tatsächlich Brustkrebs verursachen können, wurden in der Vergangenheit bereits viele Tierversuche, aber leider nur wenige Untersuchungen am Menschen durchgeführt. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Verwendung von Antitranspirantien und der Entstehung von Brustkrebs konnte bis heute weder ausgeschlossen, noch erwiesen werden: unter anderem kamen zwei epidemiologische Studien am Menschen zum Ergebnis, dass es keinen Zusammenhang zwischen Brustkrebs und der Verwendung von Antitranspirantien gibt; eine dritte kam zum Schluss, dass es einen Zusammenhang gibt.4,5 Während verschiedene Tierversuche demonstrierten, dass selbst sehr hohe Aluminiumkonzentrationen keine krebserregenden Effekte haben, zeigte 2011 ein Versuch mit menschlichen Brustzellen, dass Aluminiumsalze zu Genveränderungen und abnormalem Zellverhalten, das man von Tumorzellen kennt, führen.6

Die Genfer Forscher schreiben in ihrer Publikation: «Um eindeutig beweisen zu können, dass Aluminium krebserregendes Potential hat, sind epidemiologische Studien mit Menschen und in-vivo-Experimente mit Mäusen, wobei ihnen das Aluminium direkt auf die Haut aufgetragen wird, nötig».7

Weitere Tierversuche können jedoch keinesfalls beweisen, dass das Verwenden von Antitranspirantien beim Menschen Brustkrebs verursachen kann.
«Die Frage, ob die Aluminiumsalze in Antitranspirantien beim Menschen Brustkrebs auslösen können oder nicht, kann nur durch Forschung am Menschen/menschlichem Material beantwortet werden. Kein Tierversuch ist in der Lage, diese Frage zu beantworten.», meint Marietta Haller, wissenschaftliche Mitarbeiterin der AG STG.

Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, appelliert an die Vernunft der Forscher und fordert das Veterinäramt auf, sich wenigstens an das Tierschutzgesetz zu halten, das besagt, dass «Tierversuche auf das unerlässliche Mass zu beschränken sind» (Art. 32 Abs. 2 TschG) – selbst Tierversuchsbefürworter können den oben genannten Tierversuch nicht als notwendig ansehen.

1 http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ijc.30393/full#references
2 http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/sind-deos-wirklich-krebserregend/story/17372027
3 https://www.degruyter.com/downloadpdf/j/eces.2015.22.issue-1/eces-2015-0001/eces-2015-0001.xml
4 http://www.thefactsabout.co.uk/files/3102008113158review_study.pdf
5 https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2014/daz-39-2014/gefaehrliche-deos
6 http://www.20min.ch/wissen/gesundheit/story/Aluminium-im-Deo-kann-definitiv-zu-Krebs-fuehren-14592924
7 http://onlinelibrary.wiley.com/store/10.1002/ijc.30393/asset/ijc30393.pdf?v=1&t=itt9m2p2&s=6bd49196be161ce95d8253741eff8a5ef070fae7

 Foto in hoher Auflösung:
www.agstg.ch/images/stories/medienmitteilungen/MM-2016-10-04_l.jpg

 AG STG – Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner
Ansprechpartner:
Marietta Haller
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
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