Methodenerklärung

Tierversuch

  • In vivo (lat. im Lebendigen) = Eingriffe am lebenden Organismus

Ersatz- und Alternativmethode
  • In-vivo-Eingriff, der dem 3R-Prinzip entspricht,
unter Einsatz  von tierischem Material/Tieren:
  • In vitro = Zellkulturen, organisches Material ausserhalb des Körpers;
  • In silico = analytische Verfahren, Modelle und Simulatoren;
  • Bildgebende Verfahren; etc.

Tierversuchsfreie Methode

Unter Einsatz von humanem Material/Menschen:
  • In vitro;
  • In silico;
  • Bildgebende Verfahren;
  • Microdosing; etc.
  • Klinische Forschung

Übertragbarkeit

Tierversuch

Die Übertragbarkeit ist erwiesenermassen nicht gegeben.
Zusätzlich zu den naturgegebenen Unterschieden zwischen verschiedenen Arten führt das Manipulieren der Tiere (operative Eingriffe, Giftinjektion,...) zu unrealistischen, unnatürlichen physischen Eigenarten.
Ersatz- und Alternativmethode

Wie die In-vivo-Methoden sind auch alle anderen Methoden, bei denen tierisches Material zum Einsatz kommt, nicht übertragbar. Es macht überhaupt keinen Sinn, funktionelle Magnetresonanztomographie an Affen anstatt an Menschen durchzuführen. Es spielt, betreffend Übertragbarkeit, auch keine Rolle, ob Sonnencremesubstanzen an der lebendigen Maus oder in vitro an Mäusehaut getestet werden.
Tierversuchsfreie Methode

Die Ergebnisse sind direkt übertragbar. Dank  tierversuchsfreien Forschungsmethoden ist es sogar möglich, gezielt auf Menschen mit speziellen Bedürfnissen (Alter, bestimmte Einschränkungen) oder individuellen Lebensgewohnheiten (Ernährung, Rauchen) einzugehen.
Durch Auswahl und Kultur spezieller Zellen kann in vitro ganz genau auf die Fragestellung und die menschlichen Bedürfnisse eingegangen werden. So ist es zum Beispiel möglich, in vitro menschliche Hautzellen der  verschiedenen Hauttypen (Hauttyp I – VI)  zu kultivieren und Sonnencremesubstanzen direkt an den verschiedenen Hauttypen zu testen.15

Genauigkeit, Aussagekraft und Zuverlässigkeit

Tierversuch

Anders als die tierversuchsfreien Forschungsmethoden wurden Tierversuche nie einer Untersuchung auf ihre Sicherheit, Zuverlässigkeit, Aussagekraft oder Übertragbarkeit unterzogen. Tierversuche werden zugelassen, ohne dass sie je auf ihren Nutzen untersucht worden sind.

Der Tierversuch ist aus vielen Gründen eine unglaublich schlechte Wissenschaft. Der Stress, dem die Tiere während des Experiments ausgesetzt sind, hat weitreichende Auswirkungen auf ihr Verhalten, das Immunsystem und den Hormonhaushalt. Die Aussagekraft der  Testergebnisse ist dementsprechend schlecht. Fatalerweise gelten im Tierversuch häufig Verhaltensänderungen und Reaktionszeit als Indikatoren dafür, ob der Test positiv oder negativ gewertet wird. Wenn man bedenkt, wie individuell ein Tier unter so qualvollen Umständen reagiert, wird klar, wie unwissenschaftlich der Tierversuch ist.
Da die Bedingungen, unter denen Tierversuche durchgeführt werden, von Labor zu Labor variieren, führt ein und derselbe Tierversuch je nach Umständen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Deshalb und wegen der Tatsache, dass weder Ablauf noch Ergebnis eines Tierversuches publiziert oder zentral erfasst werden müssen, wird ein und derselbe Tierversuch unnötigerweise unzählige Male von Labor zu Labor erneut durchgeführt.
Die katastrophale wissenschaftliche Qualität der Ergebnisse aus Tierversuchen wird durch eine aktuelle Untersuchung einer englischen Forschergruppe aufgezeigt. So lässt sich belegen, dass die meisten Tierversuche den wissenschaftlichen Qualitätskriterien widersprechen und bei nur 1% aller Tierversuchsstudien methodisch korrekt und seriös vorgegangen wird. Bei den meisten Tierversuchen wird auf wichtige wissenschaftliche Verfahren (Randomisierung, Verblindung etc.) verzichtet. Dies führt unweigerlich zu nachweislich  fehlerhaften Forschungsergebnissen.16, 17
Ersatz- und Alternativmethode

Ohne den Einsatz von Tieren sind Ersatz- und Alternativmethoden aussagekräftiger als Tierversuche. Realistische, kontrollierbare Testbedingungen und einheitliche, reproduzierbare Abläufe machen es möglich, dass  Versuchsdaten erfasst, gespeichert und mit anderen verglichen werden können.
Tierversuchsfreie Methode

Im Gegensatz zum Tierversuch müssen tierversuchsfreie Forschungsmethoden auf ihre Aussagekraft, Sicherheit und Zuverlässigkeit überprüft werden, damit sie behördlich akzeptiert und zugelassen werden.

Bei diesen Methoden zählt nicht die Reaktion eines Individuums als Indikator dafür, ob eine Substanz für eine bestimmte Art Lebewesen schädlich ist.
Die tierversuchsfreien Forschungsmethoden liefern klare, eindeutige und objektive Ergebnisse unter kontrollierten Bedingungen. Das Anlegen von Datenbanken ermöglicht einen Informationsaustausch zwischen verschiedenen Laboren und führt zu wichtigen Erkenntnissen. Die Testabläufe sind nachvollziehbar und  können bei Bedarf genau rekonstruiert werden. Systeme reagieren wesentlich empfindlicher auf toxische Einflüsse als das lebende Tier.

Dauer und Kosten

Tierversuch

Je nach Experiment liefern Tierversuche erst nach Stunden, Tagen oder gar Jahren Ergebnisse. Da ein Tierversuch an einer bestimmten Tierart nichts darüber aussagt, was dieser Versuch an einer anderen Tierart ergeben würde, und Tierversuchsergebnisse nicht kommuniziert werden (müssen), leiden unzählige Tiere jahrelang sinnlos. Tierversuche sind unverhältnismässig teuer. Bloss schon der jährliche Unterhalt der Tiere (exklusive Versuchs- und Personalkosten) in der Schweiz verursacht Kosten von mehr als hundert Millionen Franken.
Da Tierversuche häufig geheim gehalten und/oder ihre Ergebnisse nicht kommuniziert werden, bedeuten Tierversuche eine doppelte Geldverschwendung – nicht bloss, dass Geld für überflüssige Experimente ausgegeben wird, jedes Experiment muss gleich unzählige Male finanziert werden.18

Forscher können frei darüber entscheiden, welche Tierversuchsergebnisse an die Öffentlichkeit gelangen. So werden bloss die vermeintlich bahnbrechenden Erkenntnisse publiziert. Diese Publikationen führen leider oft dazu, dass beim Publikum der Eindruck entsteht, der Tierversuch sei eine vielversprechende  Forschungsmethode. Tatsächlich haben diese Forschungsergebnisse meist keinerlei praktischen Nutzen, geschweige denn Relevanz für den Menschen.
Ersatz- und Alternativmethode

Abgesehen von den In-vivo-Methoden haben die Ersatz- und Alternativmethoden zumindest den Vorteil, dass sie meist schneller und günstiger sind als Tierversuche.
Tierversuchsfreie Methode

Die Methoden der tierversuchsfreien Forschung liefern Ergebnisse um einiges schneller. Hinzu kommt, dass verschiedene Tests automatisierbar sind und  parallel ablaufen können.
Da die tierversuchsfreien Methoden zielorientiert und zweckmässig sind, ermöglichen sie eine Forschung, die um ein Vielfaches produktiver als Tierversuche ist.
Sie sind, sobald sie einmal etabliert sind, billiger als Tierversuche.



Die komplette Tabelle (erschienen im Albatros Nr. 36 - September 2012) können Sie hier downloaden:
Die Medizin der Zukunft - Die Möglichkeiten der tierversuchsfreien Forschung
Quellenangaben - Forschung der Zukunft

Die Medizin der Zukunft - Die Möglichkeiten der tierversuchsfreien Forschung

Die Möglichkeiten der tierversuchsfreien Forschung

Die wenigsten Menschen wissen, welche Vielfalt an Forschungsmethoden der Wissenschaft zur Verfügung stehen. Denn über das immense Potential tierversuchsfreier Forschungsmethoden gelangen kaum je Informationen an die Öffentlichkeit.

Ein Grossteil unserer Gesellschaft ist deshalb davon überzeugt, dass Medikamente nur dann sicher für den Menschen sind, wenn  diese im Tierversuch getestet wurden. Geprägt vom Slogan «Es geht leider nicht ohne», glauben viele, dass eine tierversuchsfreie Forschung unmöglich ist. Tierversuchsgegner, die eine gänzlich tierversuchsfreie Forschung fordern, werden als blauäugig angesehen. Zudem signalisieren vermeintlich «tierversuchskritische» Gesetzesanpassungen wie das Einführen sogenannter Ersatz- und Alternativmethoden (3R-Prinzip) dem Volk, dass schon «so viel wie möglich» gegen Tierversuche unternommen werde. Die meisten Menschen sind sich somit nicht bewusst, auf welche Weise und in welchem Ausmass Tierversuche die moderne Forschung behindern.

Marietta Haller, Biologiestudentin

Menu (siehe links)
- Die Gefahren der Tierversuche und der sogenannten Ersatz- und Alternativmethoden
- Tabelle: Übertragbarkeit, Wissenschaftlichkeit, Kosten und Dauer der verschiedenen Forschungsmethoden
- Die Möglichkeiten der tierversuchsfreien Forschungsmethoden
- Tabelle: Die Qualität der drei Forschungsmethoden im Vergleich
- Wieso überhaupt noch Tierversuche und gleichwertige Alternativmethoden durchgeführt werden
- Quellenverzeichnis

Den kompletten Artikel (erschienen im Albatros Nr. 36 - September 2012) können Sie hier downloaden: