Tierversuche Statistik Schweiz 2010

Tierversuchsstatistik Schweiz 2010: Immer mehr Tierversuche in der Schweiz

Die aktuell vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVet) veröffentlichte Tierversuchsstatistik zeigt für das Jahr 2010 eine massive Zunahme von Tierversuchen. Die Zunahme beträgt gegenüber dem Vorjahr 7,9%, gegenüber dem Jahr 2000 gar 35%. Tierversuche haben insbesondere an Universitäten und in Spitälern (+7%) und in nicht ausgewiesenen Instituten (+70%) zugenommen. In der Industrie wurden auch letztes Jahr wieder weniger Tiere eingesetzt (-6%).
Insgesamt wurden 2010 in der Schweiz 761 675 Tiere für Tierversuche verbraucht.


Die AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) bezeichnet die von Politikern oft geäusserte Behauptung, dass Tierversuche auf das angeblich notwendige Mass reduziert würden, schlichtweg als verlogene Schönfärberei. Die AG STG fordert Wissenschaft und Politik auf, endlich im Nutzen für Patienten und Tiere zu handeln, und eine effektiv nützliche Forschung zu fördern. Denn obwohl diese von verschiedenen Interessengruppen immer wieder behindert wird, werden trotzdem immer mehr tierversuchsfreie schnellere und auch sicherere Forschungsmethoden entwickelt, anerkannt und eingesetzt. Dies führte in der Schweiz gegenüber 1983 (erste schweizweite Erfassung von Tierversuchen) zu einem Rückgang bei Tierversuchen von damals über 2 Millionen auf 761 675 im letzten Jahr und ist zu einem wesentlichen Teil der Arbeit von Tierversuchsgegnern zu verdanken. Zu viele einflussreiche Forscher sind jedoch gegen jegliche Innovation und halten an ihren unzuverlässigen und gefährlichen Forschungsmethoden fest.

Weshalb stiegen trotz Teilerfolgen die Tierversuche in den vergangenen Jahren wieder an?

Tierversuchsstatistik Schweiz 2010: Die Opfer ... Der Hauptgrund für den massiven Anstieg in den letzten 10 Jahren ist schnell gefunden. Im selben Zeitraum, wie medizinisch relevante Tierversuche immer mehr abnahmen, stiegen die Tierversuche für die Grundlagenforschung um über 60% von 197 611 auf 323 999. Zur Info: Die Grundlagenforschung versucht nicht, für Menschen medizinisch relevante Daten zu erforschen, sondern dient in erster Linie der Befriedigung der menschlichen Neugier (der Erweiterung von Wissen, das irgendwann vielleicht einmal einen Nutzen haben könnte). Die entscheidende Frage bei dieser Forschung ist: Was passiert, wenn …?
Aktuelle Beispiele aus der Grundlagenforschung finden Sie in unserer
FAQ
Die Grundlagenforschung ist zwar nicht der einzige Grund für den Anstieg bei Tierversuchen, jedoch ganz klar der Hauptgrund.

Betreiben Universitäten medizinisch relevante Forschung?

Wenn wir die 2010 durchgeführten Tierversuche etwas genauer betrachten, dann bestätigt sich der Trend an den Universitäten zu immer mehr Tierversuchen ohne Nutzen für die Menschen. Von den 275 252 an Schweizer Universitäten und Hochschulen durchgeführten Tierversuchen waren nur 6163 (2%!) effektiv für die Erforschung und Entwicklung von Medikamenten. Demgegenüber wurden 253 872 (92%) aller universitären Tierversuche für das «Forschungsgebiet» Grundlagenforschung durchgeführt. Die Universitäten haben offensichtlich erkannt, dass der Tierversuch die falsche Methode zur Erforschung und Entwicklung von Medikamenten ist. Leider aber, anstatt darauf mit einer fortschrittlichen, für die Menschen sicheren und nützlichen Forschung zu reagieren, halten sie immer massiver an der unwissenschaftlichen Methode Tierversuch fest.
Die Sicherung von Forschungsgeldern, das zwar unwissenschaftliche, aber mit Tierversuchen einfache Erklimmen der Karriereleiter sowie die zwanghafte Weigerung, sich mit modernen Forschungsmethoden auseinanderzusetzen (etwas Neues lernen), obsiegen klar gegen ihre eigentlichen Aufgaben in der medizinischen Forschung, nämlich dem Heilen von Krankheiten. Leider ist dieses bewusste Verhindern von medizinischem Fortschritt kein Straftatbestand, auch wenn viele Menschen diese Politik mit ihrer Gesundheit oder gar mit ihrem Leben bezahlen müssen.

Müssen Tierversuche von Gesetzes wegen durchgeführt werden?

Die Schweizer Gesetzgebung verlangt eine gewisse Sicherheit vor Nebenwirkungen von neuen Wirkstoffen und Wirkstoffkombinationen, aber sie verlangt dazu nicht immer Tierversuche. Jedoch stellen Tierversuche laut Gesetz leider immer noch die einfachste Methode dar, um sich vor allfälligen Schadenersatzforderungen abzusichern. Wenn sich Probleme mit einem Medikament abzeichnen, dann werden quasi über Nacht noch schnell ein paar Tierversuche nachgeschoben. Diese reichen dann von Gesetzes wegen zum Schutz vor eventuellen Schadenersatzforderungen der Patienten vollkommen aus.
Nichtsdestotrotz treiben die Pharmakonzerne die Entwicklung von tierversuchsfreien Forschungsmethoden noch am ehesten voran, denn ihnen ist es vor allem an einem gelegen: möglichst schnell und günstig neue Medikamente zu entwickeln bzw. Patente zu sichern und diese danach mit maximalem Profit zu verkaufen. Und dabei erkennen sie immer mehr, dass tierversuchsfreie Forschungsmethoden schneller, mittel- bis langfristig kostengünstiger und sicherer sind.

Tierversuchsstatistik Schweiz 2010: Nur wenige Tierversuche sind gesetzlich vorgeschriebenVon den 311 219 im Jahr 2010 in der Industrie durchgeführten Tierversuchen waren 122 646 Tierversuche von Gesetzes wegen vorgeschrieben.
Anders sieht es bei Tierversuchen an den Universitäten aus. Von den 275 252 im Jahr 2010 an Universitäten und Hochschulen durchgeführten Tierversuchen waren gerade mal 980 (!) von Gesetzes wegen vorgeschrieben. Total waren von den 761 675 in der Schweiz durchgeführten Tierversuchen weniger als 20% (kaum eine Veränderung zu den Vorjahren) von Gesetzes wegen vorgeschrieben. Oder anders gesagt: Im Jahr 2010 wurden in Schweizer Tierversuchslabors 626 476 Tiere misshandelt und getötet, ohne dass dies von Gesetzes wegen vorgeschrieben gewesen wäre.

Hat die Schweiz eine strenge Bewilligungspraxis für Tierversuche?

3560 Tierversuchsbewilligungen waren 2010 gültig. 1197 Bewilligungen wurden neu erteilt und nur 12 Bewilligungsgesuche wurden abgelehnt! 797 Bewilligungen wurden nicht benutzt, was aufzeigt, dass viele Tierversuchsbegehren vorsorglich eingereicht werden, von den Bewilligungsbehörden gutgeheissen werden, schliesslich aber sogar aus der Sicht von den jeweiligen Bewilligungsinhabern vollkommen unnötig sind.
Dass von 1197 eingereichten Tierversuchsbegehren nur deren 12 abgelehnt werden, zeugt nicht von einer restriktiven Bewilligungspraxis, sondern zeigt klar auf, dass jedes noch so absurde Tierversuchsbegehren bewilligt wird. Dass, wie von Forscherseiten her behauptet, den Begehren oft Auflagen erteilt werden, muss bezweifelt werden. Insbesondere, wie viel diese Auflagen bewirken bzw. einschränken. Schliesslich werden keine Angaben gemacht, wie denn diese Auflagen aussehen.

Tierversuchsstatistik Schweiz 2010: ... und die Täter


Wir fordern eine Forschung zum Nutzen der Menschen!

Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, fordert schon seit Langem einen konsequenten Verzicht auf Tierversuche. Ebenfalls fordert die AG STG die konsequente Förderung und Anwendung von geeigneten tierversuchsfreien Testmethoden statt der Verschwendung von öffentlichen Geldern für völlig unzuverlässige und somit gefährliche Forschungsmethoden. Es reicht nicht aus, dass tierversuchsfreie, sicherere Testmethoden nur gefordert werden – sie müssen auch gefördert werden! Auch fordert die AG STG mehr Transparenz bei Tierversuchen, um die grosse Anzahl identischer Mehrfachversuche endlich zu beenden! Ohne diese Grundvoraussetzungen wird der Forschungsstandort Schweiz für echte Wissenschaftler immer unattraktiver und wir werden den Anschluss in der medizinischen Forschung verlieren.

Geben auch Sie den Tieren eine Stimme!

Unterstützen Sie den Kampf gegen Tierversuche wo immer Sie können. Protestieren Sie mit uns zusammen gegen die leichtfertige Genehmigung von Tierversuchsbegehren. Sie können bei uns eine vorgedruckte Protestkarte unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellen.
Verleihen Sie Ihrem Protest weiteren Nachdruck mit einem Brief ans BVET, Schwarzenburgstrasse 155, CH-3003 Bern. Schreiben Sie eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, und beschweren Sie sich telefonisch unter: +41 (0)31 323 30 33 oder gehen Sie gleich persönlich beim BVET vorbei und beharren Sie auf ein Vorsprechen.

Andreas Item

Weitere Informationen:

Die aktuelle Tierversuchsstatistik finden Sie unter: http://www.tv-statistik.bvet.admin.ch/

Medienmitteilung zur Tierversuchsstatistik 2010 vom 5. Juli 2011: Tierversuchsstatistik Schweiz 2010: Immer mehr Tierversuche in der Schweiz

 Tierversuche können uns keine Sicherheit bieten – Für einen innovativen und führenden Forschungsstandort Schweiz und somit für die Abschaffung aller Tierversuche!


Quelle und Tabellen: Bundesamt für Veterinärwesen (BVET)