Tierversuchsstatistik Schweiz 2007: Alle 43 Sekunden stirbt ein Tier in einem Schweizer Tierversuchslabor!

Die aktuellen, vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) veröffentlichten Tierversuchszahlen zeigen einen Anstieg von 716 002 Tierversuchen im Jahr 2006 auf 726 392 Tierversuche im Jahr 2007. Dies bedeutet wieder einmal mehr eine Steigerung der Tierversuche, und zwar um 1,45 %. Gegenüber dem Jahr 2000 sind somit die Tierversuche in der Schweiz um über 28 % gestiegen!

Die Tierversuchsstatistik berücksichtigt nicht alle für Tierversuche getöteten Tiere. In der Gentechnik werden unzählige Tiere gezüchtet und getötet, z.B. wenn der erwünschte Gendefekt nicht vollumfänglich aufgewiesen wird (um ein, zwei transgene Tiere zu erzeugen, werden bis zu 100 Tiere benötigt, die danach getötet und «entsorgt» werden). Auch Tiere, die bereits bei Zucht, Haltung und Transport sterben, wie auch sogenannt überzählige Tiere tauchen in der Tierversuchsstatistik nicht auf. Ebenfalls nicht die Ersatzgruppen, sollte eine Versuchsgruppe ausfallen.
 

Tierversuchsstatistik Schweiz 2007:
Die Opfer des Massakers
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Tierversuchsstatistik Schweiz 2007 - Die Opfer des Massakers

Die am häufigsten verwendeten Tierarten sind nach wie vor Mäuse (429 100), Ratten (143 250), Vögel (53 714) und Fische (44 862), aber auch Amphibien und Reptilien (14 727), bei denen ein besonders starker Anstieg (+ 433 %) zu verzeichnen ist. Weiter ist auch die Anzahl Tierversuche mit Schweinen (+ 366 %) und Katzen (+ 48 %) massiv gestiegen. Ebenfalls wurden 3002 Hunde (+ 24 %) und 335 Primaten (– 24 %) in Tierversuchen verbraucht. Aber auch unzählige Kaninchen, Meerschweinchen, Schafe, Ziegen, Hamster … wurden in Tierversuchen gequält und getötet.

3075 Tierversuchsbewilligungen und Entscheide über meldepflichtige Tierversuche waren 2007 gültig (+4%). 1061 neue Bewilligungen wurden erteilt und nur 8 Versuchsbegehren wurden abgelehnt.

Der Tod ist harmlos und Schmerzen sind willkürlich einzuteilen

Stark angestiegen (+10 % !) sind Tierversuche mit Schweregrad 3 (schwerste Belastungen, mit massivsten Schmerzen verbunden). Tierversuche mit anderen Schweregraden haben sich anzahlmässig nur minim geändert. Die meisten Tierversuche werden als Schweregrad 1 eingestuft, die Belastung wird also als relativ gering beurteilt. Diese Einstufung wird von den Tierversuchsexperimentatoren selbst gemacht.
Bei der Einteilung in Schweregrade muss berücksichtigt werden, dass erstens: die Vivisektoren die Belastung für die Tiere praktisch immer als geringer einstufen, als diese effektiv ist. Zweitens: Es ist eine ungeheuerliche Anmassung, dass psychische Schädigungen als praktisch belastungsfrei eingestuft werden. Hier zeigt sich die Abwertung der Tiere als «seelenlose» Gegenstände sehr stark – wer würde sich anmassen, psychische Schäden bei Menschen als praktisch unbelastend und harmlos zu bezeichnen?
Die jedoch absolute Spitze des Eisbergs der Arroganz bildet die Einteilung des vorzeitigen Tötens in die Kategorie 0 bzw. 1. Der Tod ist harmlos und unbelastend? Auch ohne jetzt einen «Gedankenvergleich» mit der Geschichte des letzten Jahrhunderts zu machen, welch krankhaftes Gehirn bezeichnet den Tod als harmlosen Eingriff?

Lieber zielloses Forschen als Nutzen für die Menschheit

Ein starker Anstieg von Tierversuchen (+10 % !) ist weiterhin in der Grundlagenforschung zu verzeichnen. Im Jahr 2000 wurden für die Grundlagenforschung 197 611 Tiere getötet, im Jahre 2007 waren es bereits 293 172 Tiere. Dies bedeutet einen Anstieg um 48 %. Der Anteil der Tierversuche in der Grundlagenforschung ist an Universitäten bei über 88 %.
Die Grundlagenforschung ist eine Forschung ohne konkretes Ziel und ohne einen konkreten Nutzen für die Menschen. Sie kennt keine Vorgaben, kaum Kriterien für die Bewilligung und ist im Ausgang bewusst offengelassen. Dies bedeutet, dass die Versuche nicht gemacht werden, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen, sondern einfach nur, um auszutesten, was passiert, wenn man xy an xy ausprobiert. Ihr Ziel sind die
Befriedigung der von Neugierde beherrschten Wissenschaftler, die Auslösung und der Erhalt von Forschungsgeldern sowie das vorzeitige Patentieren von theoretisch vielleicht irgendwann einmal nutzbaren Therapieansätzen. Auch stellen sie die einfachste Form des Karrieremachens dar. Wozu sich mit seriöser Wissenschaft und der damit verbundenen Arbeit seinen Professorentitel verdienen, wenn man diesen mit nutzlosen Zufalls-Tierversuchen viel einfacher bekommen kann?

 
Tierversuchsstatistik Schweiz 2007 - Die Täter des Massakers:

Tierversuchsstatistik Schweiz 2007 - Die Täter des Massakers

Gesetzesebene, Institute und Ausbildung

Wie auch im Jahre 2006 waren lediglich 19% der Tierversuche infolge gesetzlicher Vorschriften durchgeführt worden. Auch nur ein geringer Anteil der schwerstbelastenden Tierversuche wurde aufgrund von Vorschriften durchgeführt. Nur gerade 219 der 254 687 an Universitäten, der ETH und an Spitälern durchgeführten Tierversuche waren gesetzlich vorgeschrieben!
Tierversuche in der Industrie haben, wie letztes Jahr auch, weiterhin abgenommen. Sie machen mit 381 158 52 % aller Tierversuche aus. Hingegen nahmen sie an Universitäten, an der ETH und an Spitälern wie auch letztes Jahr weiterhin zu. Gegenüber dem Jahr 2000 nahmen Tierversuche an diesen Institutionen somit um über 70 % zu!
Für Bildung und Ausbildung wurden 90 % mehr Tiere als im Jahre 2006 verwendet, obwohl es didaktisch hervorragende Alternativen ohne Tierleid gibt!
Dieser Anstieg ist auf wenige Grossversuche zurückzuführen, die offiziell als relativ harmlos für die Tiere bezeichnet werden. Trotzdem halten es Behörden und Universitäten nicht für angebracht, diese «harmlosen» Tierversuche offenzulegen und zu kommunizieren. Bei diesen Versuchen handelt es sich hauptsächlich um Vögel (6093), Mäuse (2749), Ratten (2533) und Rinder (1166). Gegenüber dem Jahr 2000 sind die Tierversuche im Ausbildungsbereich um 179 % gestiegen. Dieser massiven Steigerung gilt es klar entgegenzusteuern.

 
Tierversuchsstatistik Schweiz 2007 - Weniger als 20% aller
Schweizer Tierversuche sind vom Gesetz vorgeschrieben!


Tierversuchsstatistik Schweiz 2007 - Weniger als 20% aller Schweizer Tierversuche sind vom Gesetz vorgeschrieben!


Wissenschaft oder unbedeutendes Wissen schaffen?

Anstatt der Erforschung sicherer Testmethoden wird immer noch sehr viel Geld in die völlig überholte Methode Tierversuch gesteckt. Angeblich verheissungsvolle neue Methoden werden massiv gefördert, schaffen es jedoch nicht, die Medizinforschung vorwärtszubringen. Nicht die wenigen Erfolge machen es aus, sondern die Millionen von Misserfolgen der letzten 200 Jahre Medizinforschung zeigen klar auf, dass diese Forschungsmethoden versagt haben. Aktuelles Beispiel ist die seit 15 Jahren verwendete Krebsmaus. Mit ihr soll Krebs in ein paar Jahren besiegt sein, hiess es. Zigtausende potenzielle Wirkstoffe wurden an Millionen Krebsmäusen getestet. Viele davon dämmten den künstlich erzeugten Krebs bei Mäusen ein, jedoch nicht einer dieser Stoffe konnte bisher erfolgreich beim Menschen eingesetzt werden. Für Menschen wichtige Fragen werden in der Wissenschaft generell immer weniger gestellt. Tierversuche in der angewandten medizinischen Forschung haben gegenüber dem letzten Jahr um 8 % abgenommen. Grosse Teile der Wissenschaftler haben ihre eigentlichen Wurzeln vergessen oder verkauft. Hat diese Wissenschaft wirklich noch eine Berechtigung?

Forderung nach einem Ausweg aus dem Irrweg

Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, fordert daher seit Langem eine schärfere Sanktionierung von Tierversuchen durch die Behörden, konsequenten Verzicht auf Tierversuche und die Förderung und Anwendung von geeigneten tierversuchsfreien Testmethoden statt der Verschwendung von öffentlichen Geldern für völlig veraltete Forschungsmethoden. Hier müssen Bund und Universitäten mehr Anreize schaffen für Wissenschaftler, die in ihrem Job noch nicht von Trägheit übermannt wurden. Es reicht nicht aus, dass tierversuchsfreie, sicherere Testmethoden nur gefordert werden – sie müssen auch gefördert werden! Auch fordert die AG STG mehr Transparenz bei Tierversuchen, um die grosse Anzahl identischer Mehrfachversuche
endlich zu beenden!

Helfen auch Sie den wehrlosen Versuchstieren!

Unterstützen Sie den Kampf gegen Tierversuche, wo immer Sie können. Protestieren Sie mit uns zusammen gegen die leichtfertige Genehmigung von Tierversuchsbegehren. Sie können bei uns eine vorgedruckte Protestkarte unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst bestellen.
Verleihen Sie Ihrem Protest weiteren Nachdruck mit einem Brief ans BVET, Schwarzenburgstrasse 155, CH-3003 Bern. Schreiben Sie ein E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst , und beschweren Sie sich telefonisch unter: +41 (0)31 323 30 33 oder gehen Sie gleich persönlich beim BVET vorbei und beharren Sie auf ein Vorsprechen.

Image Andreas Item

Die aktuelle Tierversuchsstatistik finden Sie unter: http://www.tv-statistik.bvet.admin.ch/index.php

Tierversuche können uns keine Sicherheit bieten – Für die Abschaffung aller Tierversuche!

Quelle und Tabellen: Bundesamt für Veterinärwesen (BVET)